• VOLKSSCHULE ANGERBERG

    Bildung, Bewegung & Begegnung
  • VOLKSSCHULE ANGERBERG

    Bildung, Bewegung & Begegnung
  • VOLKSSCHULE ANGERBERG

    Bildung, Bewegung & Begegnung
  • 1
  • 2
  • 3

Auszüge aus dem Artikel "Eltern, lasst die Lehrer machen!"

Dies sind Auszüge aus dem Artikel "Eltern, lasst die Lehrer machen!"

Verfasserin:

Frau Dr. Eva Koch Klenske, Politikwissenschaftlerin und promovierte Soziologin

Veröffentlicht in:

Psychologie heute, Heft 12 / 2016

Lehrkräfte an Grundschulen wissen ein Lied davon zu singen: Zunehmend mischen sich Eltern in das Schulgeschehen ein, kritisieren Unterrichtsmethoden und das Verhalten der Pädagogen. Sie wollen für ihr Kind nur das Beste. Und erreichen das Gegenteil. Denn die Kinder profitieren nicht vom Engagement ihrer Eltern. ...

... Es ist relativ neu, dass Eltern von Grundschulkindern meinen, sie könnten das schulinterne Geschehen angemessen beurteilen und sich aktiv einschalten. Dafür lassen sich mehrere Ursachen finden. So fördert etwa die heutige Schulgesetzgebung die Konfrontationsbereitschaft vieler Eltern, da sie von „Mitarbeit der Eltern“ und von „Elternarbeit“ der Schulen redet; Eltern missverstehen dann oft ihre eigene Rolle und halten sich für eine neue pädagogische Kontrollinstanz des schulischen Fachpersonals. ...

... Worum geht es den Eltern? In den meisten Fällen kreisen ihre Angriffe um Leistungseinschätzungen beziehungsweise Noten, die das eigene Kind bekommen hat, und um pädagogische Regulierungen oder Sanktionen, die Lehrerinnen bei einem kindlichen Regelverstoß für notwendig halten, die aber aus der Perspektive der Eltern „ungerecht“ erscheinen. Dabei konzentriert sich die Kritik von Müttern und Vätern auf immer gleiche Vorhaltungen: Die Lehrerin habe eine Situation falsch eingeschätzt und das Kind zu hart bestraft, die Notengebung sei ungerecht, die Lehrerin mache dem Kind Angst, sie berücksichtige die Individualität dieses Kindes nicht angemessen, oder aber sie möge das betreffende Kind nicht. Verdichtet auf seinen Kern, lautet der Vorwurf vieler Eltern, dass die Pädagoginnen ihre Arbeit nicht wirklich beherrschten und deswegen eine elterliche Kontrolle notwendig sei, um das eigene Kind vor Inkompetenz und Willkür zu schützen. ...

... Eltern, die ihre Unzufriedenheit und Kritik an der Schule formulieren, sind in aller Regel mit ihren Kindern identifiziert. Das heißt, sie begegnen dem Kind nicht als Erwachsene, die einen Betreuungs- und Erziehungsauftrag am Kind zu erfüllen haben, sondern haben so wenig Distanz zu ihrem Kind, dass sie sogar dessen (vermeintliche) Gefühle übernehmen. Die Eltern sind dann, wenn das Kind von der Schule nach Hause kommt und klagt oder Vorwürfe gegen die Lehrerin formuliert, von der Angemessenheit der kindlichen Sicht völlig überzeugt („Mein Kind lügt nicht!“) und reagieren so wütend, als sei ihnen selbst ein Unrecht geschehen. ...

... Stellvertretend für das Kind kämpfen sie anschließend gegen die angeblich inkompetente Lehrerin und halten sich dabei für besonders gute Eltern: Sie meinen, ihrem Kind den Rücken zu stärken, indem sie „Ungerechtigkeiten“ ans Tageslicht bringen und ihm damit zu einem besseren Selbstbewusstsein verhelfen. Das aber ist ein Irrtum – mit weitreichenden Folgen. Denn das scheinbar schützende Verhalten von Eltern führt zu keinem stabileren Selbstbewusstsein oder Selbstwertgefühl, sondern ganz im Gegenteil zu einer tiefgreifenden seelischen Verunsicherung und sozialen Schwächung des Kindes. ...

... Eltern, die gegen die Lehrerin ihres Kindes kämpfen, übersehen dabei gewöhnlich, dass ihr Kind seine Lehrerin liebt – und lieben möchte. Je kleiner das Kind, umso weniger lernt es ja aus Vernunft oder gar vorausschauender Motivation, sondern aus Liebe zur Lehrerin. Darf es diese jedoch lieben und achten, wenn die eigenen Eltern sie ablehnen und am Abendbrottisch niedermachen? Vom Kind wird hier eine emotionale Balancearbeit verlangt, die es nicht zu leisten vermag. Die Folgen dieser inneren Zerrissenheit und Spannung zeigen sich bei Grundschulkindern dann häufig in massivem Störverhalten, verschlechterten Schulleistungen, Konzentrationsschwächen, Schulunlust oder ominösen Bauchschmerzen. Diese Symptome wiederum missverstehen und interpretieren Eltern dann als Angst vor der Lehrerin, weil ihnen das seelische Erleben des Kindes in ihrer eigenen Betroffenheit gar nicht mehr zugänglich ist. ...

→ Den gesamten Beitrag können sie HIER kostenpflichtig downloaden.

Neuigkeiten

Mehr laden Shift-Taste drücken um alle zu laden load all